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2007

Diözesanchorfreizeit 2007



»Venite Populi« - Eine Chorfreizeit der Völker

»Kommt herbei, ihr Völker!« - So lässt sich der Beginn des Mozart'schen Stückes übersetzen, das ein zentrales Element der Diözesanchorfreizeit vom 1. bis 5. November 2006 war. Und sie kamen herbei, die Völker: nicht nur Oberschwaben, Unterländer, Älbler, Allgäuer und sonstige Bewohner der Diözese Rottenburg-Stuttgart fanden den Weg zum Veranstaltungsort Kloster Reute bei Bad Waldsee, sondern sogar ein Teilnehmer aus dem fernen Brandenburg. Den weitesten Weg hatte aber eine Sängerin aus Sydney/Australien (die zwar natürlich nicht nur wegen der Chorfreizeit angereist war, aber immerhin...). Weiter weg geht es eigentlich nicht, und wenn dieser Trend anhält, muss man damit rechnen, dass im nächsten Jahr möglicherweise gleich jemand von den himmlischen Heerscharen in Reute vorbeischaut.

Auch das ausgewählte Programm war überaus international ausgerichtet, erstreckte sich über verschiedene Epochen und wurde so zu einer spannenden kleinen Reise durch Raum und Zeit: Neben dem eingangs erwähnten »Venite Populi« von Mozart gab es das Kyrie aus einer Messe des englischen Komponisten William Byrd (1543-1623) sowie das »Tantum Ergo« des Franzosen Deodat de Séverac (1872-1921). Die heimische Chormusik war durch das Alleluja des Weingartener Benediktinermönches Bernhard Wahl (1723-1786) vertreten. Aus Belgien, gewissermaßen im Schnittpunkt der großen europäischen Nationen England, Frankreich und Deutschland gelegen, stammt das »Ave Verum« von Flor Peeters, einem Kirchenmusiker des 20. Jahrhunderts. In dem Stück »Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut«, das als Schlusslied des sonntäglichen Gottesdienstes die Chorfreizeit beendete, zerfließen dann gewissermaßen die räumlichen und zeitlichen Grenzen: Zum Text des Deutschen Johann Jakob Schütz aus dem 17. Jahrhundert schrieb der 1951 geborene Engländer Alan Viner die Musik.

Gar nicht genug zu loben ist die unkomplizierte und freundliche Art und Weise, in der die Franziskanerinnen von Reute Ihre Gastgeberrolle bis ins Detail ausfüllen. So wurde beispielsweise für den morgendlichen Weckruf das ein oder andere Stück von der letztjährigen Chorfreizeit-CD eingesetzt. Durch die Beliebtheit der Veranstaltung war Werbung dieses Jahr eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen: die 130 Plätze füllten sich recht schnell allein schon durch Mundpropaganda und durch Wiederanmeldungen. Kein Wunder, denn die in bewährter Weise von Matthias Heid vom Cäcilienverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart vorbereitete Freizeit bürgt für Qualität, die Jahr für Jahr von den Dekanatskirchenmusikern aus der Diözese hochgehalten wird. In diesem Fall waren es Bezirkskantorin Barbara Weber aus Heidenheim und Dekanatskirchenmusiker Stephan Debeur aus Weingarten, die das musikalische Leitungsteam bildeten und dabei eine ganz ausgezeichnete Figur machten. Sie brachten neben der erwarteten fachlichen Kompetenz eine überaus freundliche, sympathische und humorvolle Art in die Runde ein. Auch hier spielten regionale Unterschiede eine gewisse Rolle. Man könnte sagen, die humoristischen Geschmacksrichtungen variierten zwischen schwäbisch-trocken (Weber) und rheinländisch-spritzig (Debeur). Gelacht wurde auf jeden Fall gut, gerne und viel.

Nach zweieinhalb Tagen intensiver Probenarbeit stand am Samstag nachmittag ein Ausflug nach Weingarten auf dem Programm, und Herr Debeur als »Hausorganist« der berühmten Gabler-Orgel legte sich in der Basilika mächtig ins Zeug, um den »Chorfreizeitlern« Orgel und Basilika in Theorie und Praxis nahezubringen. Abschließend wurde, wie es sich gehört, die Akustik der Basilika getestet, indem einige der oben erwähnten Werke gesungen wurden. Der eigentliche Zielpunkt der Probenarbeit war aber der Gottesdienst am Sonntag morgen in der Kirche von Reute, der von Herrn Pfarrer Ulrich Kloos aus Backnang zelebriert wurde. Pfarrer Kloos beschränkte sich ansonsten nicht nur darauf, Andachten und geistliche Impulse anzubieten, wie es für den geistlichen Leiter der Chorfreizeit üblich ist, sondern er weckte sogar Tote auf - na ja, oder zumindest tote Sprachen: von einigen Chormitgliedern angesprochen, übersetzte er Teile des Venite Populi spontan aus dem Lateinischen, bevor er dann später auf entsprechendes schriftliches Material zurückgriff.

Parallel zu den Proben gab es wieder das Angebot zu Einzelstimmbildungen, für das in diesem Jahr Peter Alexander Herwig aus Karlsruhe und Ursula Wiedmann aus Hechingen verantwortlich waren, die dabei so manchen wertvollen Impuls unters Volk bringen konnten. Und wer seine Stimme dann immer noch nicht genug gebildet hatte, der konnte abends im Klosterkeller bei Gitarrenbegleitung und Wein weiter »üben«. Eine interessante Abwechslung im Programm bot ein abendlicher Diavortrag von Alfons Frisch aus Leutkirch mit stimmungsvollen Bildern, die die weitere Umgegend von Reute im Lauf der Jahreszeiten zeigten. »Große Samstagabendunterhaltung« war dann beim traditionellen Bunten Abend im Klosterkeller angesagt, wo aus der Runde der Teilnehmer heraus ein teilweise fernsehreifes Programm aus Liedern, Gedichten, Sketchen etc. geboten wurde. Dieser Bericht soll mit einer kleinen Kostprobe von Josef Dörflinger aus Schlier enden:

(Der Verfasser des Gedichtreimes erlaubt sich die Charakterristik eines Gedichtes von Eugen Roth laienhaft nachzuahmen, ohne deren Wertschätzung je zu missachten.)

Ein Mensch, ich sage es zuvor,
der hat sehr viel Musik im Ohr.
Drum fällt mir's leicht nach Reute gehen,
denn dort, das ist doch wohlbekannt,
ist Chorfreizeit vom Cäcilienverband.

Ein Mensch der dort heil angekommen,
der wurd' gleich in Beschlag genommen.
Mit viel Elan und Fantasie
singt er: »Venite Populi«.
Das Textliche, das versteht doch keiner,
außer dem Herrn Pfarrer, dem Lateiner.

Ein Mensch, (s'gibt seinesgleichen mehr),
schaut nie zum Dirigenten her.
Nun singt er aus dem roten Heft,
dieser Mensch ist "außer Kräft«.
Ich ihn nach dem Komponisten frag,
da sagt er: »Pfüat de Gott, da Severak«.
Dieser Klang, teils herb, teils fein,
ist nicht verständlich aber rein.
Es ist viel Übernatürliches in dem Stück,
es passt dazu kein schräger, sturer Blick.
»Tut so, als wäret ihr ganz in Weihrauch eingenebelt
und würdet von einer außerirdischen Kraft ausgehebelt!«

Guido Schick


dcv_bericht_dizesanchorfreizeit2006.pdf

Letzte Aktualisierung: 18.5.2015, 15:09 Uhr