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2009

Diözesanchorfreizeit 2009

Wo selbst das Einsingen zum kleinen Event wird

Schon der lange und fröhliche Applaus für Dekanatskirchenmusikerin Marianne Aicher und Regionalkantor Karl Echle bei der Begrüßung durch Cäcilienverbands-Geschäftsführer Matthias Heid im Festsaal des Klosters Reute ließ erkennen, dass rund 120 Kirchenchorsängerinnen und -sänger sich auf die 9. Diözesanchorfreizeit freuten und hochmotiviert erschienen waren. Auch der Verbands-Vizepräses Pfarrer Klaus Rennemann wurde wieder freundlich applaudierend begrüßt, doch umgekehrt wurde mit einem langen „uuiii“ bedauert, dass Matthias Heid sich aus dienstlichen Gründen bis zu den letzten beiden Tagen wieder verabschieden musste.

Dann aber begann die Chorgesangsarbeit ohne weitere Umschweife und für die meisten Teilnehmer wie seit Jahren gewohnt; denn schon gut eine Stunde später stand die musikalische Gestaltung einer Vesper auf dem Programm. Die Liturgien, wie diese Vesper, zwei Morgengottesdienste und ein Luzernarium, geleitet jeweils von Pfarrer Rennemann, zogen sich wie eine spirituelle Kette durch die Woche hindurch und hatten ihren Höhepunkt im Schlussgottesdienst, zu dem Weihbischof Johannes Kreidler sich gern einladen ließ, denn er wollte dem Loben, Danken, Preisen und Ehren durch die Kirchenchöre in ihren Gemeinden seine Wertschätzung entgegenbringen, und dies gelang ihm in seiner Ansprache mit eindrucksvollen und glaubhaften Worten.

Dieses Loben, Danken, Preisen und Ehren war das Motto der Chorfreizeit und darum ging es in den Chorsätzen von Händel (Dir will ich singen ewiglich), Haydn (Aus dem Dankliede zu Gott), Pachelbel (Nun danket alle Gott), Peeters (Entrata Festiva und Ave verum), Bach (Freut euch alle), Rutter (I will sing with the spirit), Hopson (Halleluja! Praise God in the Temple), Hammerschmidt (Jauchzet, ihr Himmel) und Bernard Wayne Sanders, dem Dekanatskirchenmusiker in Tuttlingen, dessen Psalm 117 seine Uraufführung im Beisein des Komponisten erlebte. Weil Loben, Danken, Preisen und Ehren in der Musik in der Regel mit Pauken und Trompeten verbunden ist, richtete sich das Programm nach Stücken, die tatsächlich mit Pauken und Trompeten aufgeführt werden sollen. So auch Sanders Psalm 117, ein Stück, das im Auftrag eines holländischen Carillonspielers, eines Glockenspielers, entstand und nun seine Uraufführung beim Abschlusskonzert der Chorwoche in der St. Martinskirche in Wangen im Allgäu erhielt. Eine wahre Herausforderung – tonal und rhythmisch verlangte es höchste Konzentration der Chorsänger. Aber eben solcher Herausforderungen wegen, die auch beim Pachelbel-Satz besonders gegeben waren, sind diese Chorfreizeiten seit Jahren bei Kirchenmusikfreunden der Diözese so gefragt. Es war ein Glücksfall, dass in Wangen, dem Ort des Abschlusskonzertes, ein virtuoses Bläserquartett für zwei Trompeten und zwei Posaunen sowie der Schlagzeuger und Trossinger Musikstudent Max Frey, der mit einem Vibraphon die Funktion des Carillon übernahm, engagiert werden konnte. Letzterer spielte beim Abschlussgottesdienst auch eine Meditation während der Kommunionausteilung, und Bernard Wayne Sanders zeigte sich bei diesem Gottesdienst auch als Könner auf der Orgel.

Mit der Fahrt nach Wangen zum Abschlusskonzert waren Stadtbesichtigung und Museumsbesuch verbunden. Dabei erwies sich die Stadt im Allgäu für alles hervorragend geeignet, denn ein zahlreiches und dankbares Publikum erfreute die Sänger und Dirigenten. Großen Anteil daran hatte der Wangener Dekanatskirchenmusiker Georg Enderwitz, der an der Orgel mitwirkte. Selbst das kleine Leberkäs´-Vesper vom „Fidelisbäck“, einer Bäckerei mit Gaststätte, die im Oberland schon Kultstatus besitzt, vermittelte den aus der ganzen Diözese – vom Odenwald bis zum Bodensee und vom Schwarzwald bis zur Ostalb – angereisten Sängern einen kleinen oberschwäbisch-kulinarischen Genuss, zu dem eigentlich nur noch ein regionales Bier gefehlt hatte – vor dem Konzert allerdings verständlich.

Doch das konnte anschließend im Klosterkeller nachgeholt werden, zumal dort das Vesperbuffet aus der Klostermetzgerei zu Appetit anregte, so wie auch grundsätzlich die ganze Woche über die Klosterküche und der Service von Sr. Dagmar und ihrem Team üppigst für körperliches Wohlergehen sorgte. Bei dem nun sich anschließenden Bunten Abend, den der unverwüstliche Konrad Nägele aus Dellmensingen moderierte, traten viele Künstler auf, die zeigten, dass Kirchenchorsänger auch bei ihren Gemeindefesten aktive Humoristen sind. Josef Dörflinger aus Schlier fasste in schon bekannter Weise die Chorfreizeit in gereimten Zeilen zusammen:

Übrigens – das Treffen in Reute
nennt sich Chorfreizeit, ihr Leute.
Man singt durchweg in Moll und Dur,
jedoch von Freizeit keine Spur!

Ich singe hier bei Kantor Echle,
ich singe, bis ich nur noch hechle.
Ich sing zu hoch, ich sing zu tief,
der Kantor mich zur Ordnung rief.

Selbst bei der Aicher Marianne
mein Repertoire ich überspanne.
Das Feeling dauert eine Woche,
ich puste aus dem letzten Loche.

Auch Frau Wiedmann schafft es nimme
mit meiner krächzgen Raucherstimme.
Selbst dann nicht, wenn man non-stop-non
betreibt die Zwerchfellaktion.

Ich sehe schon, es kommt die Zeit,
wo mich entlässt Matthias Heid,
denn mit meinen vertrackten Gedichten
lässt sich kein Lobgesang verrichten.

Gott sei Dank, so dann und wann,
hör ich auf Pfarrer Rennemann.
Er würde sagen: „Leise treten –
und vor allem beten, beten!

Heut bei dem Konzert in Wangen
ist´s mit mir glimpflich abgegangen.
Doch bei den Halbtoneskapaden
ging meine Stimme wieder baden.

Zum Glück, dass sie mich all umgeben,
meine treuen, guten Sangeskollegen!
Die exzellenten Dirigenten, Organisten,
retteten mich, leichtgläubigen Christen,

vor allen Gefahren der Musikszene.
Oh ja, ohne diese großen Phänomene
hätt´ ich mein Können nicht erweitert
und wär´ noch kläglicher gescheitert.

Doch nächstes Jahr käm ich gern wieder,
gerade wegen der klassischen Lieder.
Ferner wegen der zauberhaften Gerüche
aus der meisterhaften Klosterküche!

Bei täglich rund 7 Stunden Singen müssen die Stimmen gepflegt werden und Sängerinnen und Sänger trotz hoher Motivation neue Impulse bekommen. Bedauerlicherweise konnte nach nur einem Tag die Stimmbildung durch Ursula Wiedmann aus traurig-familiärem Anlass nicht fortgesetzt werden. Doch wenn Marianne Aicher das täglich zweimalige Einsingen auf fröhliche Weise in situationsbezogene Quodlibets einmünden lässt, und dabei Reute, den Obstsalat oder die nun zur Gesamtprobe eintreffenden Männer besingt, dann sorgt sie mit methodischer Brillanz für eben diese Stimmpflege und neue Gesangslust, so dass das Einsingen tatsächlich zu einem kleinen Event wird. Für viele der großen Teilnehmerschar heißt das jährliche Großereignis aber: „Diözesanchorfreizeit des Cäcilienverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart“, das im kommenden Jahr von zwei anderen Chorleitern gestaltet wird, denn Marianne Aicher und Karl Echle bekommen mit Dank und guten Wünschen eine „schöpferische Pause“.

Johannes Lang, Ehingen

Letzte Aktualisierung: 18.5.2015, 15:09 Uhr