
Entwicklungsgeschichte der Orgel zu St. Cyriakus in Wiesensteig
Die heutige Orgel der Stiftskirche St. Cyriakus Wiesensteig ist in ihrer Art ein Unikum. Erste detaillierte Angaben haben wir erst seit 1850. Vorher ist ein Orgelwerk von Franz Freunden aus Rottenburg aus dem Jahre 1680 nachweisbar, welches 1 Manual mit 11 Registern umfasste. Es wird berichtet, dass nach dem Stadtbrand von 1648 - von den schwedischen Belagerern gelegt - die Orgel nur notdürftig wiederhergestellt wurde. Auch eine Tragorgel mit 5 Registern war vorhanden, welche bei Prozessionen verwendet wurde.
An der Orgel wurden die folgenden Reparaturen ausgeführt:
1703 durch Georg Allgaier von Hausen b. Ellwangen
1731 durch Balthasar Allgaier von Honau
1741 durch Josef Selig von Wasseralfingen
1749 durch Georg Späth von Faurndau
1763 durch Georg Späth von Faurndau
1788 durch Goll aus Weilheim
1833 durch Orgelmacher Schäfer von Göppingen
C.G. Weigle fertigte 1850 einen Entwurf an. Er sah zwei Manuale mit 22 Registern vor. Der Umbau 1935 brachte eine Erweiterung auf 27 Register, die mechanische Traktur wurde auf eine elektro-pneumatische umgestellt, der Spieltisch dadurch beweglich und der Prospekt auf die ganze Raumbreite vergrößert. Für den Wind zur Pfeifenbedienung kam ein Windmotor zum Einsatz. Eine Gleichrichterkombination war für die Funktion der Magnete notwendig. Diese Kombination wurde 1965 durch ein elektronisches Netzwerk ersetzt.
Die Disposition der Weigle-Orgel von 1935 (Opus 723):
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Hauptwerk Bourdon 16` Dolce 8` Gedeckt 8` Viola di Gamba 8` Principal 8` Hohlflöte 4` Gemshorn 4` Waldflöte 2` Mixtur 5f. Trompete 8` II:Ped. I :Ped. Ober II:Ped. |
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II:I Ober II:I 4` Unter II:I 16` Ober II:II 4 Pedal Zartbaß 16` Subbaß 16` Principalbaß 16` Violoncello 8` Octavbaß 8` Flötenbaß 4` Posaune 16` |
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Schwellwerk Salicional 8` Vox coelestis 8` Rohrflöte 8` Principal 8` Spitzflöte 4` Principalflöte 4` Schwiegel 2` Sesquialter 2 2/3 u. 1 3/5 Cymbel 3f. Hornoboe 8` |
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Transmission aus Hauptwerk Zartbaß 16`= Bourdon 16` Flötenbaß 4`= Hohlflöte 4` |
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Spielhilfen Handregister - 1 Freie Kombination Handreg. z. Fr. Komb. Registerschweller elektr. Walze Ped. Piano Tutti Walze ab Koppel aus Walze Handreg. aus Walze Zungen ab |
Die Orgel tat ihre Dienste bis in die 80er Jahre mehr oder weniger treu. Mit der Zeit waren immer häufiger Ausfälle zu beseitigen. So drang langsam die Erkenntnis durch, dass nach der Kirchenrenovierung auch die Renovierung der Orgel unaufschiebbar wurde. Nach vielen Vorschlägen und Diskussionen wurde beschlossen, an der Disposition nichts zu verändern, auch die Trakturen sollten bleiben. Der bisher bewegliche Spieltisch wurde fest installiert, der Kabelschlauch durch einen Holzkanal geführt, damit die alten Kabel von 1935 nicht noch Probleme schaffen. Nur hatte der Holzwurm kräftig zugebissen. Nach der Begasung begannen die eigentlichen Renovierungsarbeiten im Januar 1992, die dem Nachfolger der Fa. Weigle, der Orgelwerkstätte Mühleisen aus Leonberg übertragen wurden. Nach Ausreinigung und Ersatz der vom Holzwurm zerstörten Teile (inkl. 1 Holzpfeife) konnte die Orgel am 2.10.1993 im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes eingeweiht werden.
Aus Kostengründen wurde jedoch die Barockdecke der Kirche nicht genügend saniert. Durch Schwingungen der beiden Türme riss diese allmählich ab, und große und kleine Gipsbrocken fielen in die Orgel. So war es nach 10 Jahren unumgänglich, die Orgel wieder auszureinigen. Das Hauptwerk und das Pedalwerk wurden ausgebaut, die Decke saniert, die Türme stabilisiert. Nach einer sehr gründlichen Intonation konnte die Orgel in bestem Zustand am 16.Oktober 2004 wieder erklingen.
Derzeitige Organisten:
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Karl Heinz Geier Seestraße 90, 73349 Wiesensteig, Tel. 07335-2369 | ||
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Manfred Seidel Sommerbergstr. 87, 73349 Wiesensteig, Tel. 07335-5618 |